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Warum 20 Millionen geplante Elektrofahrzeuge möglicherweise nicht produziert werden

Bei der Energiewende liegt ein wichtiger Schwerpunkt auf nachhaltigeren Verkehrsmitteln. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, wächst der Markt für Elektrofahrzeuge daher rapide. Zwischen April und September 2021 beispielsweise stieg der weltweite Absatz von Elektrofahrzeugen sprunghaft an. Allein in Europa und China wurden 2,2 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen. Und das, bevor das US-Unternehmen Tesla sein eigenes Ziel von 20 Millionen E-Fahrzeugen pro Jahr bis 2030 bekannt gab.

Das zunehmende Lieferkettenrisiko könnte diese Entwicklung jedoch bald bremsen. Während die Produktion von Batterien in den letzten Jahren einen rasanten Anstieg verzeichnete – seit 2019 um 33 % – ist die Beschaffung von Rohstoffen, die für ihre Herstellung unerlässlich sind, deutlich schwieriger geworden. Das gilt insbesondere für Lithium.

Beispielloser Druck auf Lithiumvorräte

Wie in unserem jüngsten Bericht Supply Chain Resilience Index dargelegt, bereitet die Lithiumknappheit den Herstellern in der gesamten Automobilbranche Kopfzerbrechen und trägt zu einem Resilienzwert ihrer Lieferketten bei, der mit 44,9 weniger als fünf Prozentpunkte über dem Schwellenwert von 40 % für ein „hohes Risiko“ liegt.

Bis 2030 wird für Lithium ein Nachfrageüberschuss zwischen einer halben Million und 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr prognostiziert. Das bedeutet, dass die Nachfrage nach dieser wichtigen Komponente in der Batterieproduktion das Angebot bei weitem übersteigen wird.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass das Problem nicht in der Verfügbarkeit von Lithiumreserven liegt, sondern in den Abbaukapazitäten für diese Ressource. Auch wenn bereits ein intensiver Abbau betrieben wird, müssten darüber hinaus Quellen erschlossen werden, die weniger zugänglich sind, um die Versorgung ausreichend zu steigern. Dieser Prozess ist kostspielig und energieintensiv und wird unweigerlich zu Preisschwankungen führen.

Aufgrund der im letzten Jahr um fast 500 % gestiegenen Preise für Lithium kam es bereits zu Unterbrechungen der Lieferkette und zu Preisspitzen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Kosten für Nickel – ein weiteres wesentliches Element in Batterien für Elektrofahrzeuge – auf ein Rekordniveau steigen. Der Einmarsch Russlands in der Ukraine hat die globale Lieferkette weiter in Mitleidenschaft gezogen, wobei Nickel zu den unmittelbar betroffenen Materialien zählt.

Wie wird sich der Mangel auf die Produktion von Elektrofahrzeugen auswirken?

Da die Lieferketten so unbeständig sind, stellt sich die Frage, was dies für die Zukunft der Produktion von Elektrofahrzeugen bedeutet. In unserem Bericht werden auch die Prognosen des Centre for Automotive Research (CAR) ausgewertet, die bezüglich dieser Frage Aufschluss geben. Gemäß dieser Studie wird sich im Markt für Autobatterien frühestens im Jahr 2030 ein Gleichgewicht einstellen. Infolgedessen könnte es aufgrund des Chipmangels zwischen 2021 und 2023 zu einer Verringerung der Autoproduktion um bis zu 10 Millionen Fahrzeuge kommen, wobei sich die Zahl der zwischen 2022 und 2029 aus der Produktion genommenen E-Fahrzeuge laut neuen Berichten auf 20 Millionen verdoppeln könnte.

Die Hersteller von Elektrofahrzeugen stehen derzeit vor zwei Entscheidungen, die sie in die Zwickmühle bringen. Es besteht zwar die Möglichkeit, die Batterien für Elektrofahrzeuge allmählich auf nickelfreie Konstruktionen wie LFP umzustellen, doch könnte dies die Leistung der Fahrzeuge beeinträchtigen. Aus diesem Grund wird man sich im Markt für Elektrofahrzeuge darauf einstellen müssen, dass als Mittel des Lieferkettenmanagements die Einführung von Elektrofahrzeugen aufgehalten oder die Effizienz der Batterien beeinträchtigt wird. Dies könnte wiederum einen Dominoeffekt auf Unternehmen auslösen, die auf emissionsärmere Fahrzeuge umsteigen möchten, um ihre weitergehenden Ziele zur Verringerung des Schadstoffausstoßes zu erreichen.

Wenn Sie bei der Bewältigung der Herausforderungen in der Lieferkette für Elektrofahrzeuge Hilfe benötigen, nehmen Sie Kontakt mit unserem Expertenteam auf.


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